Persönlichkeiten

Richard Wossidlo

 

Eng mit der Stadt Ribnitz verbunden fühlte sich der bedeutende Volkskundler Richard Wossidlo (1859 - 1939), genannt der "Volksprofessor" durch familiäre Bande. Wossidlo, der in jahrzehntelanger Forschungs- und Sammeltätigkeit mit seiner umfangreichen Zettelsammlung zu allen Bereichen der mecklenburgischen Volkskunde einen unermesslichen Schatz zusammentrug, wurde damit nicht nur der Begründer des Mecklenburgischen Wörterbuches.

Zahlreiche Sammlungen von Märchen und Sagen, Volkstänzen und Liedern u. v. a. m. verdanken wir seiner unermüdlichen Forschungsarbeit. Sein wissenschaftlicher Nachlass wird heute im "Wossidlo-Archiv" der Universität Rostock aufbewahrt und der Forschung zur Verfügung gestellt.

Das Grab Richard Wossidlos befindet sich auf dem Friedhof in Ribnitz. Zahlreiche Institutionen, Vereine und Einrichtungen in Ribnitz tragen den Namen des unvergessenen Volkskundlers.

 

Helmuth Schröder (1842 - 1909)

 

Der Heimatdichter Helmuth Schröder, geb. in Spornitz bei Parchim, lebte seit 1886 in Völkshagen bei Ribnitz als Lehrer. Die Ermunterung zum Dichten erhielt Schröder von Fritz Reuter. Neben seiner Arbeit als Dorfschullehrer entstanden viele plattdeutsche Gedichte, in denen Schröder immer wieder die Natur und das dörfliche Leben beschreibt. Groß ist die Zahl der Gedichte Schröders, die von verschiedenen Musikern vertont wurden. Auch der Damgartener Kantor Hermann Bendix hat Schröder-Gedichte einfühlsam vertont.

Das letzte Jahr seines Lebens verbrachte Helmuth Schröder in Ribnitz. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Ribnitzer Friedhof. Die Stadt ehrte ihn mit der Helmuth-Schröder-Straße.

 

Hermann Bendix (1859 - 1935)

 

Als Sohn des Damgartener Kantors und Lehrers Gustav Bendix wurde Hermann Bendix in Damgarten geboren. Dem Lehrerstudium in Franzburg folgte seine Tätigkeit als Lehrer und Kantor in Zingst. Weiterführende kirchenmusikalische Ausbildungen befähigten den begabten jungen Lehrer für das Lehramt an höheren Schulen und zum Chorleiter und Organisten. Seine Heimatliebe brachte ihn 1887 wieder zurück in seine Heimatstadt Damgarten, wo er in Nachfolge seines Vaters dessen Schul- und Kirchenamt antrat. Als Organist und mit seinem eigenen kompositorischen Schaffen erwarb er sich über seine Heimatstadt hinaus viel Anerkennung.

Im Magistrat der Stadt Damgarten und in der städtischen Bürgerschaft war er ein vielgefragtes und -gehörtes Mitglied.

Die Heimatliebe führte ihn zum intensiven Studium der Stadt- und Landesgeschichte. Zahlreiche Veröffentlichungen sind Zeugnis für diese Tätigkeit.

 

Dr. jur. Karl Anklam (1883 - 1961)

 

Der junge Dr. jur. Karl Anklam kam 1913 aus Berlin in das kleine vorpommersche Städtchen Damgarten. Um sich in die Geschichte und das Werden und Wachsen der Stadt zu finden, begann er sofort mit der Sichtung und Ordnung des in großer und ungeordneter Menge vorgefundenen Aktenmaterials in dem kleinen Rathaus. Mit der 1916 beendeten, nur handschriftlich verfassten Chronik schenkte er der Stadt Damgarten und der heutigen Heimatgeschichtsforschung ein einmaliges Werk. Die Grundlage für seine Forschungsarbeit, das wertvolle Stadtarchiv, wurde mit dem Rathausbrand 1928 vernichtet.

Als Bürgermeister verstand er es, die Stadt durch die schweren Jahre des ersten Weltkrieges zu führen.

1919 wurde Anklam als Bürgermeister nach Rügenwalde und 1924 nach Aurich in Friesland berufen.

Auch dort beschäftigte er sich vielfach mit Themen der Heimatforschung. Ebenso wurde er durch literatur- und kunstwissenschaftliche Arbeiten in interessierten Kreisen bekannt. Frühzeitig begann er vor dem Nationalsozialismus zu warnen. Dadurch war er ständigen Schikanen ausgesetzt und wurde 1934 aus seinem Amt als Bürgermeister entlassen. Nach dem Kriegsende berief man ihn wiederum in Aurich zum Bürgermeister, er übte das Amt aber nur noch wenige Jahre aus.

Seine letzten Jahre verlebte er in Hildesheim und wurde nach seinem Tode auf eigenen Wunsch in Aurich beigesetzt.

In Damgarten, dem er sich sein Leben lang verbunden fühlte, gibt es heute eine Dr.-Karl-Anklam-Straße.

 

Dr. Friedrich Ludwig Nizze (1791 - 1870)

 

Friedrich Ludwig Nizze wurde als Pastorenkind in Ribnitz geboren. Er war Schüler des Gymnasiums Zum Grauen Kloster in Berlin. Nach dem Abschluss des Medizinstudiums nahm er als Arzt an den Befreiungskriegen teil und ließ sich danach in seiner Heimatstadt Ribnitz nieder. Dort erwarb er sich in seinem Beruf und als Vertreter der Bürgerschaft das Vertrauen seiner Mitbürger. Besonders widmete er sich in den Zeiten der in Mecklenburg grassierenden Cholera in den 30er Jahren des 19. Jh. der aufklärerischen Arbeit. Als Vertreter des Magistrates und der Bürgerschaft war er maßgeblich an den Vorbereitungsarbeiten zum Bau des neuen Rathauses beteiligt. 1835 wählte man ihn zum Bürgermeister. Dieses Amt übte er 35 Jahre lang aus und nahm maßgeblich Einfluss auf die Gestaltung und Begründung des Stadtbildes. Mit seinem Namen verbunden sind die sogenannten "Bürgermeistersteine", Granitblöcke, die zum Ausruhen für den Wanderer an der Rostocker und Damgartener Straße aufgestellt wurden.

 

Reinhold Nizze (1824 - 1902)

 

Reinhold Nizze wurde in Ribnitz geboren als Sohn des Arztes Dr. Friedrich Ludwig Nizze. Reinhold Nizze studierte Jura und war 1853 als Advokat in Rostock tätig. Als sein Vater starb, der in Ribnitz Bürgermeister war, folgte er dessen Ruf in seine Heimatstadt, um das Amt des Vaters zu übernehmen.

Von 1870 bis zu seinem Tode am 9. Dezember 1902 versah er das Amt des Bürgermeisters. Während seiner Amtszeit unterstützte er den Bau der "Höheren Bürgerschule" und die Errichtung neuer Verkehrswege und Verbindungen (Eisenbahnverbindung Stralsund - Rostock 1888/89). In seine Amtszeit fallen u. a. auch die Einrichtung des neuen Friedhofes am Schleusenberg und die Eröffnung einer Volksbibliothek, aber auch der schon zu seinen Lebzeiten sehr angezweifelte umfangreiche Verkauf von Land und Grundstücken, um Geld für seine Aktivitäten zu beschaffen. Sein besonderes Interesse galt der Entwicklung von Handwerk und Gewerbe. Er zählte deshalb zu den Mitbegründern des Gewerbevereins in Ribnitz. In Anerkennung seiner Verdienste wurde schon 1921 eine Straße in Ribnitz nach ihm benannt.

 

Dr. Bruno Joseph (1861 - 1934)

 

Geboren wurde er in Pyritz. Dr. Bruno Joseph kam um 1886 nach Ribnitz. Während der 48 Jahre, die er in dieser Stadt lebte, galt sein Bestreben dem Wohle der Menschen in Ribnitz und Umgebung. Sein Name ist noch heute bei vielen Einwohnern bekannt und so manche Familie gedenkt seiner in Dankbarkeit. Unermüdlich war sein Wirken als Arzt, auch dann, wenn die Rechnungen unbezahlt blieben. Seine Kutsche, mit der er bei Wind und Wetter auch in die entlegensten Landgemeinden unterwegs war, war allen bekannt. Als Stadtvertreter (seit 1912) und Stadtverordnetenvorsteher (seit 1919) setzte er sich für die Belange der Bürgerschaft ein und beeinflusste mit seiner Arbeit die Entwicklung der Stadt (z. B. Kanalisation, Wasserwerk).

Zugleich war Dr. Joseph der letzte Vorsteher der Ribnitzer jüdischen Gemeinde. Er musste noch erleben, dass er durch den Hartmannsbund und die Stadtverwaltung aufgefordert wurde, seine Tätigkeit als Impfarzt wegen seiner jüdischen Abstammung niederzulegen.

Die Urne des Verstorbenen wurde im Garten seines Hauses in der Langen Straße 13 beigesetzt.

 

Helene Weyl (1891 - 1948)

 

Helene Weyl wurde als Tochter von Dr. Bruno Joseph und seiner Frau Bertha in Ribnitz geboren.

Helene, genannt Hella, galt als besonders begabt und besuchte daher mit 14 Jahren ein Realgymnasium in Berlin, um sofort nach dem Abitur in Rostock ein Studium aufzunehmen. Ihre Vorlieben galten der Literatur und Germanistik und der Geschichte. Bald entdeckte sie eine Neigung zur Philosophie und begann in Göttingen ein Mathematik- und Philosophiestudium. 1911 heiratete sie Hermann Weyl, der in Göttingen Mathematik lehrte. Mit ihm folgte sie seiner Berufung als Professor nach Zürich. In dieser Zeit trat sie auch zum evangelischen Glauben über. In Zürich lernte das junge Paar Albert Einstein kennen und Jahre später in Princeton (USA) setzte man die Bekanntschaft fort.

Aus der Göttinger Zeit verband Helene Weyl, die schöne und geistreiche Frau, eine enge Freundschaft mit Arnold Zweig, der ihr auch nach ihrer Heirat in großer Verehrung und Liebe zugetan war.

Helene und Zweigs Frau Beatrice, wurden das Vorbild für die Hauptfigur in den "Novellen um Claudia". Zwischen dem Ehepaar Zweig und Helene Weyl gab es einen langen intensiven Briefwechsel aus den Jahren 1912 - 1934, 1938/39. Dieser erschien im Aufbauverlag 1996 unter dem Titel "Briefe einer ungewöhnlichen Freundschaft zu dritt".

Bekannt wurde Helene Weyl hauptsächlich wegen ihrer Übersetzungen von Werken des Spaniers Miguel Cervantes ins Deutsche und später vor allem durch Übersetzungen der Hauptwerke von Jose Ortega y Gasset ins Deutsche und auch in die englische Sprache.

1930 - 1933 weilte die Familie wiederum in Göttingen, um 1933 endgültig nach Amerika zu gehen.

Nach dem Ende des II. Weltkrieges konnte Helene Weyl, die Ribnitz immer eng verbunden war, die Heimat nicht mehr wiedersehen. Sie starb 1948 nach einem langen Krebsleiden in Princeton.